DSLR vs Mirrorless in 2017

Heutzutage stellen sich mehr und mehr Hobby- und Profi-Fotografen die Frage, ob sie mit einer digitalen Spiegelreflex oder einer Spiegellosen Kamera besser bedient sind. Aber was sind denn in 2017 überhaupt noch die großen Unterschiede?

Das lässt sich heute einfacher denn je beantworten, denn die Hersteller haben in den letzten Jahren so richtig gezeigt was sie drauf haben. Der Sensor macht jedenfalls nicht den Unterschied. Wir finden nahezu identische Sensoren z.B. in der Sony A7R II und der Nikon D800 und auch bei den Kameras, die dieses Jahr erscheinen, wird die Bildqualität nicht den entscheidenden Unterschied machen.

Serienbildgeschwindigkeit und Autofokus

Das ist wahrscheinlich sogar der wichtigste Punkt. Wenn man beruflich auf schnellen Autofokus und eine hohe Serienbildgeschwindigkeit angewiesen ist, führt eigentlich kaum ein Weg an einer DSLR vorbei. Auch wenn Olympus hier große Fortschritte gemacht hat, ist für Profi-Fotografen der kleine Sensor ein No-Go. Ich habe mit meiner Sony A7 II zwar auch schon Sportveranstaltungen geschossen, aber da kam es nicht auf jedes Bild an und ich habe deutlich gemerkt, dass mir hier etwas gefehlt hat. Müsste ich das öfter machen, würde ich mir wieder eine DSLR mit Telezoom als Zweitkamera besorgen.

Haptik und Gewicht

Das ist im Prinzip eine Frage des persönlichen Geschmacks. Wer große Hände hat und gern mit schweren Objektiven hantiert, für den ist eine DSLR durchaus angenehmer zu bedienen. Ich arbeite gerne mit Stativ in der Dämmerung oder mit Graufilter und hier ist die Spiegellose definitiv im Vorteil. DSLR haben meist eher schlechten Live-View und bei Langzeitbelichtungen am Tag muss immer der Sucherschacht abgedunkelt werden. Außerdem kann man das Displays bei DSLRs oft nicht klappen, was unheimlich praktisch ist, wenn man vom Stativ arbeitet. Ich reise auch gern mit leichtem Gepäck, wobei ich dazu sagen muss, dass Mirrorless nicht zwingend leichter ist als DSLR. Ich habe mal zusammengerechnet, was die komplette Ausrüstung wiegen würde, wenn ich verschiedene Kameras hätte (D750, A7 II, Fuji X-T1, Olympus EM5 II, jeweils mit UWW, Normalzoom, Telezoom, 50mm und 85mm) und am Ende kam ein Unterschied von 1kg raus. In der Größe unterscheiden sich die Systeme aber teilweise sehr deutlich.

Sensorgröße

Hier scheiden sich die Geister und dazu will ich auch gar nicht mehr als nötig sagen. In der Praxis sieht man einen Unterschied der Sensorgröße heute nur noch bei Portraitaufnahmen, d.h. je größer der unscharfe Bereich und je schöner das Bokeh sein soll, desto eher macht ein größerer Sensor Sinn. Allerdings ziehen hier natürlich auch die Spiegellosen nach und so gibt es z.B. von Fuji ein 56mm 1.2, das ein wunderschönes Bokeh zeichnet und vergleichbar ist mit einem 85mm 1.8 an Vollformat. Das sollte für jeden Hobbyfotografen ausreichen. Im Weitwinkelbereich ist die Sensorgröße fast egal und bei Tele kann ein kleiner Sensor auch von Vorteil sein, da man durch den Crop-Faktor effektiv mehr Brennweite bekommt, ohne ein größeres und schwereres Objektiv zu brauchen. Natürlich erhöht sich bei kleinerem Sensor das Rauschen und sowohl Schärfe als auch Detailzeichnung und Dynamikumfang nehmen ab, was vor allem für Fineart-Landschafts und -Portrait-Fotografen nicht gut ist.

Objektive

Dazu habe ich bei den letzten Punkten schon einiges vorweg genommen. Wenn man schon eine Kameraausrüstung hat und ein oder zwei Objektive bevorzugt nutzt, ist man im Vorteil. Man vergleicht einfach die Objektive der verschiedenen Hersteller und ist schnell im Bilde. Ich empfehle, eine Tabelle aufzubauen, in der man in die Spalten das Kamerasystem schreibt, z.B. Fuji X-T1 und in die Zeilen den Objektivtyp nach Anwendungsart, z.B. Portrait, Nifty-Fifty, Pancake oder Telezoom. In die einzelnen Zellen schreibt man dann Preis, Gewicht und andere Merkmale, die bei der Recherche auffallen.
Generell muss man wirklich sagen, dass die Unterschiede nicht riesengroß sind. Die Hersteller überholen sich jedes Jahr gegenseitig und wenn man dieses Wettrennen nicht mitmachen will, kann man sich getrost auf sein Bauchgefühl verlassen und dann einfach die nächsten fünf Jahre nicht mehr in Fachzeitschriften schauen, die Kameras testen. Es wird immer eine Kamera geben, die besser ist als die eigene.

Preis

Auch beim Preis sind die Unterschiede tatsächlich geringer als man meinen sollte. Zwar ist oft die Kamera im direkten Vergleich bei Mirrorless etwas günstiger, dafür langen die Hersteller aber bei den Objektiven ganz schön hin. Auch hier hilft nur ein Vergleich.

Fazit

Im Grunde ist es auch 2017 nicht anders als in jedem Jahr davor. Die Hersteller wollen ihren Kram loswerden, also überlegen sie sich immer wieder etwas, was die Konkurrenz noch nicht hat. Und die zieht im nächsten Jahr dann nach oder überholt sogar. Am Ende geht es doch darum Bilder zu machen. Kunstwerke zu schaffen, die Generationen überdauern. Wenn du deinen Enkeln irgendwann mal nur Bilder von deiner Katze zeigen kannst, dann mach die Bilder lieber mit dem Smartphone und kauf dir von dem Geld ein Fahrrad oder mach was anderes, was dir wirklich Spaß macht. Beim Fotografieren geht es nicht so sehr ums Equipment, sondern um eine Lebenseinstellung. Die Fotografie begleitet dich dein Leben lang. Kameras kommen und gehen. Wenn du deine DSLR satt hast und Bock auf was neues, dann kauf dir doch einfach eine Spiegellose und probiere sie aus. Alles, was dich vor die Tür bringt, ist gut. Und wenn du dir das nicht leisten kannst, dann schnapp dir die Kamera, die du schon hast und steig in den Zug. Reisen bringt die Fotografie weiter voran als jede neue Kamera.

Wenn du Neueinsteiger bist und überhaupt keine Ahnung hast, wo es fotografisch hin gehen soll, du aber sicher sein willst, dass es nichts mit deiner Ausrüstung zu tun hat, wenn deine Bilder nichts taugen, dann empfehle ich dir eine Kamera wie die Fuji X-T20 mit dem 18-55mm (Oder die X-T10, wenn du nicht warten kannst). Da kannst du dann nach und nach Objektive dazu kaufen und irgendwann auch mal die Kamera upgraden. Der Sensor hat APS-C Format und es gibt spitzen Objektive für die Fujis.

Ich persönlich habe mich für das Sony A7 System entschieden, weil ich damals stinksauer auf Nikon war, als ich festgestellt habe, wie schrottig der Autofokus meiner D600 ist (längere Geschichte). Den Sensor fand ich aber super und ich wollte bei Vollformat bleiben, also habe ich damals die A7R getestet und für fast gut befunden. Als dann die A7 II raus kam, hab ich zugeschlagen und bisher bin ich sehr zufrieden mit dem System. Mittlerweile habe ich alle Nikon-Objektive verkauft und durch Sony oder Zeiss Objektive ersetzt.

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